Den urbanen Zentren Österreichs fehlt eine Strategie für den Ausbau der digitalen Infrastruktur Glasfaser völlig – der ländliche Raum ist bei der Glasfaser deutlich weiter.
Der stockende Glasfaserausbau in Österreichs Städten droht sich zu einem ernsthaften Standortnachteil zu entwickeln. Während andere Länder längst auf Lichtgeschwindigkeit setzen, fehlt hierzulande eine klare und nachhaltige Strategie für die urbane Gigabit-Zukunft. Die Open Fiber Austria (OFAA) warnt vor den Folgen dieser digitalen Trägheit und fordert die Politik auf, endlich entschlossen zu handeln. „Österreichs Städte dürfen nicht zum blinden Fleck der digitalen Transformation werden“, mahnt Dr. Igor Brusic, Präsident der Open Fiber Austria. „Wenn wir jetzt nicht handeln, verspielen wir nicht nur Wettbewerbsfähigkeit – wir gefährden die wirtschaftliche Dynamik ganzer Regionen.“
Während in ländlichen Gebieten Österreichs dank gezielter Förderungen und Landesgesellschaften wie der nöGIG (Niederösterreich), BBOÖ (Oberösterreich) oder sbidi (Steiermark) der Glasfaserausbau zügig voranschreitet, hinken die städtischen Räume träge hinterher.
Die Breitbandstrategie Burgenland 2030 zeigt es exemplarisch, klar und deutlich: Die Grundversorgung mit 30 Mbit/s ist im ländlichen Raum gut, doch der städtische Bereich kämpft mit fehlenden Gigabit-Anschlüssen und uneinheitlichen Strategien. Tirol demonstriert mit seinem Masterplan 2024 bis 2028, dass strukturierte Planung mit 190 Gemeinden im „Tiroler Modell“ und einem FTTH-Ausbaugrad von 57,3 Prozent in diesen Gemeinden zum Erfolg führt. Städte wie Wien, Graz oder Linz benötigen dringend vergleichbare Masterpläne, um nicht hinter ländliche Regionen zurückzufallen.
Glasfaser ist die zentrale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts
Glasfaser ist die einzige zukunftssichere Technologie für Gigabit-fähige Anschlüsse – mit unbegrenzten Bandbreitenreserven, minimaler Latenz und höchster Energieeffizienz. Im Gegensatz zu Kupferleitungen, die als buchstäbliches „Nadelöhr“ mit steigenden Nutzerzahlen immer enger werden, kann ein echter Glasfaseranschluss der bis in die Wohnung oder ins Büro führ, jederzeit auf höhere Datenraten aufgerüstet werden. Die EU und Österreichs Breitbandstrategie 2030 fordern flächendeckende Gigabit-Netze bis 2030 – nur Glasfaser kann dieses Ziel nachhaltig erfüllen.
Das Stockholm-Modell: Wie Glasfaser zur Innovationsschmiede wird
Stockholm zeigt bereits seit über 30 Jahren, wie ein konsequenter Glasfaserausbau Städte transformiert. Die städtische Infrastrukturgesellschaft Stokab fing 1994 an, ein flächendeckendes Glasfasernetz zu errichten – heute sind 90 Prozent der Haushalte und nahezu alle Unternehmen angeschlossen. Die Ergebnisse sprechen für sich:
- Ansiedlung globaler Player: Unternehmen wie Spotify, Klarna, Skype, Mojang (Minecraft) und King (Candy Crush) gründeten oder expandierten in Stockholm – dank perfekter digitaler Infrastruktur.
- Vier konkurrierende LTE-Netze: Stockholm ist weltweit die einzige Stadt mit vier parallelen LTE-Netzwerken – ermöglicht durch günstige Glasfaseranbindungen der Mobilfunkmasten.
- E-Government-Vorreiter: Über 50 digitale Bürgerservices werden über Glasfaser bereitgestellt, mit 40 weiteren in Planung.
Der Schlüssel: Stokab stellt allen Telekommunikationsunternehmen zu gleichen Konditionen unbeschaltete Glasfaser (s.g. Dark Fiber) zur Verfügung – der Wettbewerb findet auf der Dienstebene statt, was Innovation fördert und Monopole verhindert.
„Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist der fruchtbare Boden, auf dem so exzellente Unternehmen wie Spotify und Klarna gedeihen und wachsen können“, analysiert Dr. Igor Brusic, Präsident von Open Fiber Austria. „Der Grund ist: Weil schon lange die Glasfaser gut ausgebaut war, siedelten sich dort Unternehmen wie Skype und Spotify an. Zum einen, weil für das Unternehmen die Infrastruktur perfekt ist, zum anderen, weil MitarbeiterInnen remote arbeiten können. Die Basis dafür ist schlicht und einfach die Glasfaser!“
Glasfaser als Wirtschaftsmotor: 80 Prozent fließen in die heimische Bauwirtschaft
Der Glasfaserausbau ist ein Konjunkturprogramm für Österreich: Bis zu 80 Prozent der Investitionskosten entfallen auf Tiefbauarbeiten – Aushub, Kabeltrassen, Rohrverlegung – und fließen damit direkt in die regionale Bauwirtschaft. Die Breitbandstrategie Burgenland beziffert den Investitionsbedarf für unterversorgte Gemeinden auf bis zu 27 Mio. Euro, durch Synergien reduzierbar auf 20 Mio. Euro. Jeder investierte Euro schafft Arbeitsplätze vor Ort und stärkt die Wertschöpfungskette – von Planungsbüros über Installationsfirmen bis zu lokalen Netzbetreibern.
Was leistet Glasfaser? Anwendungsfelder im urbanen Raum
Die digitale Infrastruktur Glasfaser ermöglicht Anwendungen, die alleine nur mit Kupfer oder Mobilfunk nicht umsetzbar sind:
| Anwendungsfeld | Nutzen durch Glasfaser |
| Sensorik & Messtechnik | Echtzeitüberwachung von Brücken, Tunnels, Stromleitungen – wie im Brenner-Basistunnel |
| Energieversorgung | Smart Grids für die Energiewende (mission2030), Integration erneuerbarer Quellen |
| Logistik | Echtzeittracking für urbane Lieferketten, Lagerverwaltung |
| Mobilität | Autonomes Fahren, Verkehrsüberwachung, vernetzte Ampelsysteme |
| 5G-Backhaul | Jede 5G-Antenne braucht eine Glasfaseranbindung für die volle Leistungsfähigkeit |
| Internationale Events | Live-Übertragungen – der SVT (Sveriges Television) bei der Königlichen Hochzeit in Stockholm |
Das Fazit: Masterplan Glasfaser für Städte – jetzt handeln!
„Tirol, Niederösterreich und Burgenland haben vorgemacht, wie regionale Masterpläne den Ausbau beschleunigen. Städte wie Innsbruck profitieren bereits – nun müssen Wien, Graz und andere urbane Zentren nachziehen“, fordert Brusic. Die Beispiele aus Stockholm zeigen klar und unmissverständlich auf:
- Der politische Konsens muss über Parteigrenzen hinweg geschaffen werden.
- Glasfaser ist als zentrale und öffentliche Infrastruktur wie Straßen oder Wasserversorgung zu verstehen.
- Offene Netze (Open Access) sind für den funktionierenden Wettbewerb unerlässlich.
- Synergien mit Tiefbauvorhaben (Straßensanierung, Stromnetzausbau) nutzen.
Brusic weiter: „Österreichs Städte stehen am Scheideweg: Entweder sie entwickeln jetzt einen Masterplan Glasfaser – oder sie verlieren den Anschluss an die digitale Zukunft und überlassen ländlichen Regionen die Führungsrolle. Die Glasfaserindustrie steht bereit – die Städte sind am Zug.“
Presseunterlagen inkl. Bildmaterial (Abdruck honorarfrei)
BU: Dr. Igor Brusic, Präsident der Open Fiber Austria © OFAA
Open Fiber Austria Association (OFAA)
Die OFAA wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, ein offenes, flächendeckendes und demokratisches Glasfasernetz in Österreich zu ermöglichen. Der Verband sieht sich als innovative Drehscheibe für Infrastrukturnutzer, die Telekommunikationsbranche, Glasfasernetzbesitzer und Kabelbetreiber, um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, die dem Endkunden schnellstes, unabhängiges und leistbares Internet bis ins Wohnzimmer garantiert. Ein erster Meilenstein ist die Entwicklung der österreichweit eindeutigen Kennzeichnung des Glasfaseranschlusses, der OAID (Open Access ID), die den Zugang zu einem offenen Netz vereinfacht. Der Vorstand des Verbandes besteht aus dem Vorstandsvorsitzenden Igor Brusic sowie Martin Wachutka, Marco Resch und Geschäftsführerin Irmgard Kollmann. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.ofaa.at
