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ÖWAV: Zukünftig verpflichtendes Phosphor-Recycling aus Klärschlamm bleibt herausfordernd

von comm:unications
28. Oktober 2026
in 2026, Oktober 2026, Organisationen, ÖWAV 2026, Public Sector & Organisationen
ÖWAV: Zukünftig verpflichtendes Phosphor-Recycling aus Klärschlamm bleibt herausfordernd
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Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) in Wels abhielt. Die „Klärschlammtagung“ brachte am 21. und 22. Oktober 2026 knapp 300 Expert:innen zusammen, um offene Fragen sowie Lösungen für die Branche zu diskutieren. Einigkeit herrschte darüber, dass die Wiederverwertung des wertvollen Rohstoffs Phosphor ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist. Die praktische Umsetzung bleibt aber mit erheblichen technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden. ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch ruft dafür zur verstärkten interkommunalen Kooperation auf. www.oewav.at

Rund 200.000 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz fallen pro Jahr in ganz Österreich aus kommunalen Kläranlagen an. Davon werden etwa 44 Prozent thermisch, weitere 25 Prozent in der Landwirtschaft verwertet. Der Rest gelangt in die Kompostierung, wird im Landschaftsbau eingesetzt oder dient als Bauzusatzstoff. Eine landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm wird jedoch zunehmend kritisch betrachtet. Zwar enthält er einerseits wertvolle Pflanzennährstoffe – insbesondere Phosphor –, aber eben auch Schadstoffe: Schwermetalle, Medikamentenrückstände, hormonell wirksame Substanzen, Poly- und Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) oder Mikroplastik.

Mit der Abfallverbrennungsverordnung 2024 (AVV 2024) wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, um die zukünftige Klärschlammbehandlung zu regeln. Spätestens ab 1. Jänner 2033 muss Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen ab 20.000 Einwohner:innen einer Verbrennung zugeführt werden. In der Folge sind mindestens 80 Prozent des enthaltenen Phosphors aus der Asche zurückzugewinnen. Diese „Monoverbrennung“ wird derzeit als wahrscheinlichster Weg zur Erfüllung der Vorgaben gehandelt. Alternativ könnte die gesamte Asche auch zur Herstellung eines Düngemittels verwendet werden.

Zwischenlagerung eher keine Option

Im Rahmen der Klärschlammtagung wurde auch ein neues ÖWAV-Expert:innenpapier mit dem Titel „Phosphor aus Klärschlamm zurück in den Kreislauf – Anforderungen an Betreiber von Klär- und Verbrennungsanlagen“ vorgestellt. Die Publikation gibt einen Überblick über die kommenden gesetzlichen Anforderungen, technische Umsetzungsoptionen sowie die organisatorischen Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Kläranlage bis zur Phosphor-Rückgewinnung. Diese Rückgewinnung ist auch strategisch bedeutsam: Österreich verfügt kaum über eigene Phosphatvorkommen und ist wie fast alle EU-Staaten auf Importe u.a. aus Russland und Marokko angewiesen.

Ein Blick in andere europäische Länder zeigt, dass die Einführung eines verpflichtenden Phosphor-Recyclings auch über die österreichischen Landesgrenzen hinaus eine große Herausforderung ist. In Deutschland muss die Rückgewinnung von Phosphor bereits 2029 umgesetzt sein. Bis zu diesem Zeitpunkt werden zwar ausreichend Verbrennungskapazitäten erwartet, jedoch werden die verfügbaren Recyclingkapazitäten nur etwa 20 Prozent des Bedarfs abdecken können. Aktuell wird daher in Deutschland die Zwischenlagerung von Klärschlamm-Aschen diskutiert: Ein Ansatz, den die in Wels versammelten Expert:innen mehrheitlich kritisch beurteilten.

Die Schweiz hat bereits mit 1. Jänner 2026 die gesetzliche Rückgewinnungspflicht für Phosphor aus Abwasser, Klärschlamm oder Klärschlamm-Asche eingeführt. Obwohl die Verbrennung von Klärschlamm dort bereits seit Jahren etabliert ist, verzögert sich die praktische Umsetzung des Recyclings aufgrund ihrer hohen technischen und organisatorischen Komplexität.

Notwendige Kooperationen „entlang der Wertschöpfungskette“

In Österreich werden derzeit unterschiedliche Modelle entwickelt, um den künftigen Anforderungen entsprechen zu können. Die Ansätze reichen dabei von der Errichtung eigener Monoverbrennungsanlagen bis hin zu interkommunalen Kooperationen, bei denen die Klärschlämme mehrerer Anlagen gesammelt und gemeinsam verwertet werden. Parallel dazu laufen Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Phosphor-Rückgewinnung. So treibt Wien Energie am Standort Simmeringer Haide die Entwicklung von Verfahren voran, um den von der Europäischen Union als kritisch eingestuften Rohstoff Phosphor aus Klärschlamm-Aschen zurückzugewinnen.

„Die gesetzlichen Anforderungen sind ambitioniert und können nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden“, sagt ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch. Kläranlagenbetreiber, Verbrennungsanlagen, Gemeinden, Länder, Behörden, Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft müssen gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten: „Nur durch Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird es gelingen, Phosphor künftig effizient und nachhaltig in den Kreislauf zurückzuführen.“

Die zahlreichen spannenden Programmpunkte und Diskussionen in Wels machten deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben wichtige und richtige Ziele vorschreiben. Der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur für Verbrennung, Rückgewinnung und Verwertung von Phosphor erfordert allerdings noch erhebliche Anstrengungen. „Der ÖWAV wird diesen Prozess weiterhin fachlich begleiten und den Austausch zwischen allen beteiligten Akteuren fördern“, so Resch.

Das erwähnte Expert:innenpapier „Phosphor aus Klärschlamm zurück in den Kreislauf – Anforderungen an Betreiber von Klär- und Verbrennungsanlagen“ des ÖWAV gibt es hier zum Download.
Zur Vertiefung des Themas lädt der ÖWAV am 4. November 2026 zum Webinar „Kommunaler Klärschlamm als Ressource“. Nähere Infos dazu und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auf der ÖWAV-Website.

Über den ÖWAV

Der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) vertritt seit 1909 die Gesamtheit der Wasser- und Abfallwirtschaft in Österreich. Als gemeinnütziger Verein setzt er sich für die Erreichung der nachhaltigen Ziele der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene ein. Seinen über 3.400 Mitgliedsorganisationen bietet der ÖWAV ein Branchennetzwerk sowie eine neutrale und unabhängige Plattform aller Fachexpert:innen und beteiligten Berufsgruppen. Ziele des ÖWAV sind die Ausbildung, die Erarbeitung und die Sicherung von Qualitätsstandards in der Wasser- und Abfallwirtschaft sowie die Information und der Interessenausgleich nach innen und außen. Präsident ist RA Mag. Martin Niederhuber, die Geschäftsführung hat DI Dr. Daniel Resch inne. www.oewav.at

Fotos beiliegend, Abdruck honorarfrei
BU1: ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch mit der OÖ-Landtagsabgeordneten Anne-Sophie Bauer © ÖWAV
BU2: Arabel Long, Expertin für Phosphormanagement, eröffnet die ÖWAV-Klärschlammtagung 2026. © ÖWAV
BU3: Zahlreiche Expert:innen folgten der Einladung des ÖWAV zur Klärschlammtagung 2026 © Markus Schneeberger
BU4: In den kommunalen Kläranlagen – wie hier in Innsbruck – fallen pro Jahr österreichweit rund 200.000 Tonnen Klärschlamm an. © IKB (Innsbrucker Kommunalbetriebe)
BU5: Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm dient unter anderem der Produktion von Dünger für die Landwirtschaft. © Unsplash/Getty Images

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Basispressemappe

Zur Basispressemappe Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV)

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Kunde seit: 2026
Gründung: 1909
Headquarters: Wien
Geschäftsführer: DI Dr. Daniel Resch
Website: ÖWAV
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