Am 10. Juni 2026 fand in Pörtschach am Wörthersee erstmals die Fachkonferenz „Seen im Wandel – im Spannungsfeld von Nutzung und Schutz“ statt. Mehr als 60 Expert:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis diskutierten Herausforderungen und Lösungsansätze für den nachhaltigen Schutz österreichischer Seen. Deren Wasserqualität sei zwar „ausgezeichnet“. Dennoch müsse verstärkt am Erhalt und an der Wiedererreichung des bestmöglichen ökologischen Zustands gearbeitet werden. www.oewav.at
Veranstalter der Konferenz war der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Mehr als 15 hochkarätige Vortragende vermittelten sowohl die Dringlichkeit als auch die Vielschichtigkeit des Themas. Als zentrale Plattform der Branche bündelt der ÖWAV die aktuellen Entwicklungen und erstellt in seinen Arbeitsausschüssen praxisnahe Lösungsansätze.
Im Mittelpunkt der Konferenz stand eine zentrale Erkenntnis, betont ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch: „Der ökologische Zustand unserer Seen ist nicht nur ein Spiegel der bestehenden Belastungen, sondern vor allem auch ein Maß für ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und ihrer intensiven Nutzung durch Wirtschaft und Gesellschaft.“ Als Grundlage für die Bewertung diene die europäische Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG). Ihr Ziel ist es, alle Gewässer in einen guten oder sehr guten ökologischen Zustand zu bringen bzw. diesen zu erhalten. Allerdings erreichen 11 von 62 bewerteten Seen (18 Prozent) dieses Ziel derzeit nicht, wie der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan 2021 feststellt. Vielmehr zeigt sich seit zwei Jahrzehnten eine Verschlechterung, die kontinuierlich weitergeht.
„Seen sind hochkomplexe Ökosysteme, in denen zahlreiche Komponenten eng miteinander vernetzt sind“, so Resch. Algen (Phytoplankton), Wasserpflanzen (Makrophyten), Fische, Mikroorganismen sowie die Ufervegetation erfüllen dabei jeweils essenzielle Funktionen für das ökologische Gleichgewicht: „Während frühere Belastungen durch Nährstoffeinträge – etwa aus ungeklärten Abwässern oder phosphathaltigen Waschmitteln – erfolgreich reduziert werden konnten und die Wasserqualität vielfach wieder sehr gut ist, stehen Österreichs Seen heute vor neuen Herausforderungen.“
Dazu zählen insbesondere die Verbauung von Uferzonen und der Verlust natürlicher Lebensräume sowie der intensive Schiffs- und Freizeitverkehr. Weitere Belastungen sind Eingriffe in die Fischbestände, die Ausbreitung invasiver Arten und nicht zuletzt die Auswirkungen des Klimawandels. All das wirkt meist nicht isoliert, sondern verstärkt sich gegenseitig. Der Klimawandel verschärft die Situation u.a. durch steigende Wassertemperaturen, veränderte Schichtungsverhältnisse, Sauerstoffmangel in tieferen Wasserschichten sowie häufigere Starkregenereignisse mit erhöhten Nährstoffeinträgen.
Gisela Ofenböck (BMLUK) betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung eines frühzeitigen Handelns: „Intakte Ökosysteme können äußere Einflüsse deutlich besser abfedern als bereits geschwächte. Ist ein See einmal aus dem Gleichgewicht geraten, sind Verbesserungen oft nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht mehr möglich.“
Die im Rahmen der Konferenz diskutierten Lösungsansätze verdeutlichen die zentrale Rolle eines vorsorgenden Schutzes: Einerseits der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Uferbereiche, andererseits die Reduktion von Nutzungskonflikten und Einträgen. Wichtig wäre zudem die stärkere Berücksichtigung ökologischer Zusammenhänge in Planung und Management sowie die Förderung von Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen.
ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch hebt abschließend hervor: „Österreichs Badegewässer zählen zur europäischen Spitzenklasse – rund 96 Prozent der Badestellen weisen eine ausgezeichnete Wasserqualität auf. Dennoch müssen wir künftig verstärkt am Erhalt und an der Wiedererreichung des guten ökologischen Zustands unserer Seen arbeiten.“ Dabei ist es entscheidend, alle Nutzergruppen frühzeitig in Lösungsprozesse einzubinden. Der aktuell laufende Seendialog am Wörthersee gilt hierfür als beispielhafter Ansatz.
Über den ÖWAV
Der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) vertritt seit 1909 die Gesamtheit der Wasser- und Abfallwirtschaft in Österreich. Als gemeinnütziger Verein setzt er sich für die Erreichung der nachhaltigen Ziele der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene ein. Seinen über 3.400 Mitgliedsorganisationen bietet der ÖWAV ein Branchennetzwerk sowie eine neutrale und unabhängige Plattform aller Fachexpert:innen und beteiligten Berufsgruppen. Ziele des ÖWAV sind die Ausbildung, die Erarbeitung und die Sicherung von Qualitätsstandards in der Wasser- und Abfallwirtschaft sowie die Information und der Interessenausgleich nach innen und außen. Präsident ist RA Mag. Martin Niederhuber, die Geschäftsführung hat DI Dr. Daniel Resch inne. www.oewav.at
Fotos beiliegend, Abdruck honorarfrei
BU1: DI Dr. Daniel Resch, Geschäftsführer ÖWAV © ÖWAV
BU2: Veranstalter und Expert:innen der Fachkonferenz „Seen im Wandel“ (v.l.n.r.): ÖWAV-Präsident Martin Niederhuber, ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch, Charlotte Vogl (BMLUK), Gisela Ofenböck (BMLUK), Martin Luger (Bundesamt für Wasserwirtschaft) und Harald Ficker (Amt der Salzburger Landesregierung). © ÖWAV
BU3: Die Fachkonferenz des ÖWAV erfreute sich eines großen Publikumsinteresses. © ÖWAV
BU4: Wörthersee von oben © Lukas Tennie | Unsplash
