Unter dem Titel „Blau-grün konkret – Impulse aus der Praxis“ lud der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) am 17. Juni 2026 Expert:innen aus Verwaltung, Planung, Wissenschaft und Praxis zur Fachtagung nach Wien ein. Im Mittelpunkt standen konkrete Beispiele aus ganz Österreich und Strategien, wie die blau-grüne Infrastruktur (BGI) zur Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels beitragen kann. „Blau-grüne Infrastruktur bietet einen klaren Mehrwert“, so ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch bei der Tagung – unter anderem als Schutz vor Überflutung durch Wasserrückhalt und Versickerung sowie zur Reduktion der Hitzebelastung. www.oewav.at
Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hitzeperioden und Trockenphasen stellen Städte und Gemeinden zunehmend vor große Herausforderungen. Und damit vor allem auch die Bürger:innen, die Lösungen gegen die zunehmenden Klimarisiken suchen. Die klassisch-technischen Infrastrukturen stoßen dabei jedoch immer öfter an ihre Grenzen. Genau hier setzt die blau-grüne Infrastruktur an: Sie kombiniert wasserwirtschaftliche („blaue“) und vegetative („grüne“) Elemente, um gezielt natürliche Prozesse zu nutzen und so die Widerstandsfähigkeit von Siedlungsräumen zu stärken.
Konkret geht es um Maßnahmen im Bereich Bau und Landschaftsgestaltung, über die witterungsbedingte große Wasseraufkommen lokal bewältigt und gleichzeitig Beschattung geschaffen werden kann. Etwa über die strategische Bepflanzung von ursprünglich gepflasterten Plätzen und Straßen mit Bäumen. Wobei sich die blau-grüne Infrastruktur nicht zuletzt auch unterirdisch manifestiert – indem Wasser lokal gespeichert wird, um die Kanalisationen zu entlasten und Überschwemmungen vorzubeugen sowie für Hitzeperioden verfügbar zu bleiben. Ganz allgemein formuliert, helfen BGI-Maßnahmen wie Regenwassergärten, begrünte Dächer, Entsiegelungen oder multifunktionale Retentionsflächen dabei, Niederschlagswasser zurückzuhalten und Versickerung zu fördern. Gleichzeitig sorgen sie für Kühlungseffekte, um so die Lebensqualität zu steigern.
Praktische Vermittlung der BGI-Prinzipien
Die vom Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband veranstaltete Tagung war nicht nur ein Forum zur Wissensvermittlung, sondern stellte insbesondere den fachlichen Austausch zwischen Expert:innen zu Lösungsstrategien in den Mittelpunkt. Dies spiegelte sich auch in einer Podiumsdiskussion wider, an der Vertreter:innen aus Politik, Ministerium, Stadtverwaltung und -planung sowie der Wasserver- und -entsorgung beteiligt waren.
In diesem Sinne rückte die Veranstaltung konkrete Umsetzungsbeispiele in den Fokus. Präsentiert wurden erfolgreiche Projekte aus dem urbanen wie auch dem ländlichen Raum sowie innovative Ansätze in Planung, Finanzierung und Betrieb. Die rund 80 Expert:innen erhielten dabei wertvolle Einblicke, wie das sogenannte „Schwammstadtprinzip“ die Wasserversorgung von Stadtbäumen sichert und zur Reduktion von Hitze beiträgt. Darüber hinaus wurde aufgezeigt, wie Entsiegelungsmaßnahmen zur lokalen Kühlung beitragen und wie Retentionslösungen gleichzeitig Hochwasserschutz, Aufenthaltsqualität und Biodiversität fördern können. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf praxisnahen und übertragbaren Lösungen, die von Gemeinden, Planer:innen und Entscheidungsträger:innen direkt angewendet werden können.
Referenzprojekte findet man in ganz Österreich – in Wien etwa die Praterstraße, die sich durch einen explizit blau-grünen Ansatz und Schwammstadt-Elemente auszeichnet; oder auch das Neustadtviertel in Linz, welches mit Bäumen, Pflanzbetten und besserer Regenwasserversickerung neu gestaltet wurde. Villachs „Grüne Achse“ bildet der mit Bäumen aufgewertete und unterirdisch nach dem Schwammstadtprinzip umgebaute Hauptplatz, und auch in Gemeinden wie Hohenruppersdorf in Niederösterreich wird das „Schwammdorf“-Prinzip umgesetzt.
ÖWAV fordert klare Rahmenbedingungen
„Blau-grüne Infrastruktur bietet einen klaren Mehrwert“, stellt ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch fest: „Es geht dabei um den Schutz vor Überflutung durch Wasserrückhalt und Versickerung, um die Reduktion von Hitzeeffekten durch Verdunstung und Beschattung, aber auch um die Stabilisierung des Wasserhaushalts in Trockenzeiten sowie die Förderung der Biodiversität und unserer Lebensqualität.“
Darüber hinaus ist BGI auch aus wirtschaftlicher Sicht relevant: „Die Kosten für Klimaschäden durch Extremwetter übersteigen die Investitionen in präventive Maßnahmen immer öfter“, so Resch. „Blau-grüne Infrastruktur ist somit eine vorausschauende Investition in resiliente und lebenswerte Räume.“ Im Rahmen der Tagung unterstrich der ÖWAV die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Umgang mit Wasser: weg von der schnellen Ableitung – hin zu Rückhalt, Nutzung und Versickerung. Dabei treten zentrale Handlungsfelder zutage: die verbindliche Verankerung von BGI in Raumplanung und Bauvorschriften, langfristig gesicherte Finanzierungsmodelle und die Schaffung von klaren rechtlichen Rahmenbedingungen. Aber auch die Bewusstseinsbildung in Politik, Verwaltung und Bevölkerung, die gezielt verfolgt werden muss.
„Blau-grüne Infrastruktur ist eine der wirksamsten Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels in unseren Städten und Regionen“, sagt Daniel Resch. „Der ÖWAV arbeitet daher intensiv an einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit, um dieses Zukunftsthema gemeinsam mit Expert:innen aus Planung, Wasserwirtschaft, Forschung und Verwaltung weiter voranzubringen und in die breite Umsetzung zu bringen.“
Fotos beiliegend, Abdruck honorarfrei
BU1: DI Dr. Daniel Resch, Geschäftsführer ÖWAV © ÖWAV
BU2: Blau-grüne Infrastruktur: Lebende Hausfassade in Wien © ÖWAV
BU3: Innerstädtische Begrünung in Wien: Bäume sorgen für Kühlung und dienen als Wasserspeicher © ÖWAV
