Am 15. April fand bereits zum siebten Mal Österreichs größte Fachkonferenz „Klimawandel in der Wasserwirtschaft“ mit mehr als 100 Expertinnen und Experten in Wien statt. Veranstalter ist der Österreichische Wasser und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV), der als Vorreiter der Branche zentrale Entwicklungen und aktuelle Erkenntnisse bündelt und in Arbeitsausschüssen konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Mit mehr als 15 hochkarätigen Vortragenden, darunter Prof. Günter Blöschl von der TU Wien – ausgezeichnet 2025 mit dem Stockholm Water Prize, dem sogenannten „Nobelpreis für Wasser“, für seine herausragenden Forschungsleistungen in der Hydrologie – , wurde die Dringlichkeit des Themas eindrucksvoll unterstrichen.
Im Eröffnungsstatement gab ÖWAV-Präsident Martin Niederhuber einen kompakten Ausblick auf die großen Themen in diesem Bereich – von der Klimaforschung und Hydrologie, über die Auswirkungen auf unsere heimischen Seen und Flüsse bis hin zur Klimawandelanpassung. Sein Appell: „Es ist wichtig, den Klimawandel als zentrale Zukunftsfrage der Wasserwirtschaft zu begreifen und durch gebündelte Expertise, fachlichen Dialog und gemeinsames Handeln heute jene Lösungen umzusetzen, die unsere Wasserressourcen morgen sichern. Der ÖWAV bietet hierfür die ideale Plattform.“
Prof. Günter Blöschl betonte einmal mehr, dass sich, im Gegensatz zu früher, mittlerweile in allen Messdaten des Wasserkreislaufes die Auswirkungen des Klimawandels nachweisen lassen. So nehmen z.B. intensive, kurzfristige Starkregen zu. Sie bringen nicht mehr Wasser insgesamt, sondern erhöhen auch Risiken wie schnellen Abfluss, geringere Versickerung und lokale Überflutungen. Während ein klarer Zusammenhang zwischen Klimawandel und großräumigen Hochwassern noch nicht belegt ist, steigt das Risiko für lokale Überschwemmungen durch Starkregen deutlich. Hierbei sind aber auch noch andere Faktoren wie Landnutzung (z.B. Versiegelung, Landwirtschaft) und Wasserbauten (z.B. Hochwasser-schutz) zu berücksichtigen. „Insgesamt bieten die heute zur Verfügung stehenden Messdaten mit den weiterentwickelten Berechnungsmodellen eine sehr gute Handlungsempfehlung wie wir uns an den Klimawandel anpassen können.“
ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch verweist darauf, dass Österreich in besonderem Maß vom Klimawandel betroffen ist. Seit 1900 ist die durchschnittliche Temperatur hierzulande um rund 3,1 Grad Celsius gestiegen – mehr als doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. Die Folgen sind bereits heute deutlich spürbar: häufigere und intensivere Hitzewellen, der massive Rückgang der Gletscher, trockenere Böden sowie eine Zunahme von Extremwetterereignissen wie Starkregen. Diese Entwicklungen betreffen alle Regionen Österreichs und wirken sich auf sämtliche Bevölkerungsgruppen aus.
Die Auswirkungen im Überblick:
- Gletscherrückgang: Österreich droht in 40 bis 45 Jahren weitgehend gletscherfrei zu sein
- Abnahme der Schneedecke: Verkürzung der Schneedeckendauer um rund 42 Tage in den vergangenen 60 Jahren
- Starkregen: Zunahme der Ereignisse seit den 1980er Jahren um etwa 15 Prozent
- Hitze und Dürre: Bis zum Jahr 2100 werden bis zu 80 Hitzetage pro Jahr (über 30 °C) prognostiziert
- Grundwasserressourcen: Rückgang der verfügbaren Mengen bis 2050 um bis zu 23 Prozent möglich
Im internationalen Vergleich verfügt Österreich als wasserreiches Land grundsätzlich über gute Voraussetzungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Dennoch besteht akuter Handlungsbedarf. Die Wasserwirtschaft ist dabei nicht nur selbst betroffen, sondern auch ein zentraler Teil der Lösung. Durch naturnahe Gewässergestaltung, die Stärkung des Landschaftswasserhaushalts, den konsequenten Schutz des Grundwassers sowie den effizienten Einsatz von Wasser kann sie einen entscheidenden Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Gleichzeitig tragen Wasserkraft und energieeffiziente wasserwirtschaftliche Infrastrukturen wesentlich zum Klimaschutz bei.
Gefragt sind integrierte und vorausschauende Lösungsansätze: von einem vorsorgenden Hochwasserschutz und einer klimaresilienten Siedlungsentwicklung – etwa durch die Umsetzung blau grüner Infrastrukturen – über den sorgsamen Umgang mit Trinkwasser bis hin zur Anpassung der landwirtschaftlichen Bewässerung und der Gewässerökologie.
„Der Umgang mit dem Klimawandel erfordert langfristiges Denken, wissenschaftsbasierte Planung und eine enge Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Gemeinden, Wirtschaft und Gesellschaft. Wasser ist eine zentrale Lebensgrundlage. Sein Schutz und seine nachhaltige Nutzung sind entscheidend für die Zukunft Österreichs“, so Resch abschließend.
Im Zuge der Veranstaltung wurde Prof. Günter Blöschl für seine langjährigen und herausragenden Verdienste um den Verband die goldene Ehrennadel des ÖWAV verliehen.
Fotos beiliegend, Abdruck honorarfrei
BU1: Der Klimawandel macht auch österreichischen Gewässern schwer zu schaffen © Hans Wiedner
BU2: RA Mag. Martin Niederhuber, Präsident ÖWAV © NHP Rechtsanwälte GmbH
BU3: DI Dr. Daniel Resch, Geschäftsführer ÖWAV © ÖWAV
BU4: Prof. Günter Blöschl wurde mit der Ehrennadel des ÖWAV ausgezeichnet, (v.l.n.r. ÖWAV-Präsident Martin Niederhuber, Prof. Günter Böschl, TU Wien und ÖWAV-Geschäftsführer, Daniel Resch) © ÖWAV
